Als Mittelständler
Ein Maschinenbauer mit sechzig Leuten bekommt eine Anfrage. Das Angebot dauert zwei Wochen, weil wer es schreibt, erst die letzten fünf ähnlichen heraussucht und in der Fertigung nach Lieferzeiten fragt.
Jetzt: am nächsten Morgen liegt ein Entwurf da, gebaut aus der Anfrage und den ähnlichsten früheren Angeboten, die offenen Punkte markiert. Das Angebot geht nach zwei Tagen raus.
Was beim Menschen bleibtDer Preis, die Konditionen und der erste Satz, den der Kunde liest.
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Als Konzern
Die Marke, für die vierzig Agenturen arbeiten
Eine Konsumgütermarke hat vierzig Agenturen, die in ihrem Namen produzieren, und ein Handbuch mit achtzig Seiten, das außerhalb des Hauses ehrlich gesagt niemand gelesen hat. Also prüft das Marketing jede Kampagne tagelang mit dem Auge.
Jetzt: alles, was im Namen der Marke entsteht, läuft vor der Freigabe durch eine Prüfung. Sie markiert, was abweicht, und zeigt die Regel dazu, bis auf den Absatz genau. Aus Tagen wird eine Stunde.
Was beim Menschen bleibtWofür die Marke steht, und jede Abwägung, die im Handbuch nicht steht.
Als Coach
Der Newsletter, der endlich rausgeht
Sie schreibt einen Newsletter, den ihre Leserinnen wirklich mögen. Er geht alle paar Monate raus statt alle paar Wochen, weil die Ideen auf langen Autofahrten kommen und weg sind, wenn sie sich hinsetzt.
Jetzt: sie spricht eine Idee ins Handy, und sie landet sortiert in ihrem Notion, in ihren eigenen Worten. Hat sie eine Stunde, sucht sie eine aus, und das System stellt ihr ein paar Fragen dazu.
Was beim Menschen bleibtJedes Wort, das eine Leserin sieht. Es schreibt keine Zeile, die das Haus verlässt.
Als Mittelständler
Die Ausschreibung, die keiner lesen kann
Ein Ingenieurbüro mit vierzig Leuten bekommt Ausschreibungen mit zweihundert Seiten. Ob man anbietet, kostet einen erfahrenen Ingenieur zwei Tage, also bleiben die meisten unbeantwortet.
Jetzt: jede Ausschreibung kommt am selben Vormittag als Zusammenfassung auf zwei Seiten zurück. Was gefordert ist, was uns ausschließt, und wann sie fällig ist.
Was beim Menschen bleibtDie Entscheidung anzubieten, und das Angebot selbst.
Als Konzern
Der Sicherheitsfragebogen, schon wieder
Jeder neue Kunde schickt einen Sicherheitsfragebogen mit dreihundert Fragen, und er wird jedes Mal von vorn beantwortet. Recht, IT und Vertrieb verlieren mit jedem eine Woche.
Jetzt: der Fragebogen wird aus den letzten fünfzig Antworten und den aktuellen Richtlinien gefüllt. Offen bleiben nur die Fragen, die noch nie jemand beantwortet hat.
Was beim Menschen bleibtJede Antwort, die ein Versprechen ist.
Als Mittelständler
Die Doku, die um neun Uhr abends entsteht
Ein Pflegedienst mit neunzig Leuten. Die Dokumentation ist Pflicht, und sie wird nach dem letzten Besuch geschrieben, aus dem Gedächtnis, wenn alle müde sind.
Jetzt: die Mitarbeiter sprechen ihre Notizen im Auto zwischen zwei Besuchen ein. Zurück kommt eine strukturierte Dokumentation in der vorgeschriebenen Form, fertig zum Prüfen.
Was beim Menschen bleibtDie Einschätzung des Patienten, und die Unterschrift.
Als Mittelständler
Das Nachfassen nach der Messe
Achtzig Gespräche auf der Messe, achtzig Visitenkarten auf dem Schreibtisch. Zwei Wochen später hat niemand irgendwem geschrieben, und wer Interesse hatte, hat es wahrscheinlich vergessen.
Jetzt: aus den Notizen auf jeder Karte entsteht ein Nachfass-Entwurf im Ton dessen, der das Gespräch geführt hat. Der Vertrieb liest, ändert einen Satz, schickt ab.
Was beim Menschen bleibtJedes Absenden, und wer stattdessen einen Anruf bekommt.
Als Konzern
Die Verträge, die sich selbst verlängern
Ein paar hundert Lieferantenverträge liegen auf geteilten Laufwerken. Niemand weiß, welche sich automatisch verlängern und wann, also verlängern sie sich, zum alten Preis.
Jetzt: jeder Vertrag wird einmal gelesen. Laufzeiten, Kündigungsfristen und Verlängerungsdaten landen in einer Liste, und neunzig Tage vorher kommt eine Erinnerung.
Was beim Menschen bleibtOb kündigen, verlängern oder nachverhandeln.
Als Coach
Die Referenzen, nach denen nie gefragt wurde
Zwölf zufriedene Kunden dieses Jahr und eine Referenz auf der Website, weil das Fragen immer im falschen Moment kam.
Jetzt: zwei Wochen nach der letzten Sitzung liegt eine kurze Bitte in ihren Worten bereit, mit den drei Dingen, die der Kunde selbst als Ergebnis genannt hat. Sie schickt sie, oder auch nicht.
Was beim Menschen bleibtDie Bitte selbst, und welche Zitate öffentlich werden.
Als Mittelständler
Der Monatsbericht, der drei Tage kostet
Jeden Monat zieht der Controller Zahlen aus vier Systemen in eine Tabelle. Drei Tage gehen ins Sammeln, ein halber Tag ins eigentliche Nachdenken.
Jetzt: die Zahlen liegen am Ersten des Monats gesammelt und aufbereitet da, die Abweichungen schon markiert. Aus den drei Tagen wird der halbe.
Was beim Menschen bleibtWas die Zahlen bedeuten, und was daraus folgt.
Als Konzern
Das Wissen, das mit Sabine gegangen ist
Nach zweiundzwanzig Jahren geht sie in Rente, und ein Jahr lang stellen die Kollegen dieselben Fragen, die sie in einer Minute beantwortet hätte.
Jetzt: das System hat ihre Tickets, ihre Mails und ihre Dokumente gelesen. Wer fragt, wie etwas gemacht wurde, bekommt die Antwort mit der Quelle daneben.
Was beim Menschen bleibtDie Entscheidung, ob die alte Antwort noch die richtige ist.
Als Mittelständler
Die zweihundert Bewerbungen
Eine Anzeige bringt zweihundert Bewerbungen. Die Personalabteilung braucht drei Wochen, um durchzukommen, und bis dahin haben die Guten woanders unterschrieben.
Jetzt: jede Bewerbung wird gegen die tatsächlichen Anforderungen abgeglichen, auf den eigenen Servern, mit ausgeschriebener Begründung. Die Personalabteilung sieht am nächsten Morgen eine sortierte Liste.
Was beim Menschen bleibtWer eingeladen wird, und jedes Gespräch danach.